Laura, 31, Sozialarbeiterin

Interview: "Mich quält die Frage, ob ich überhaupt schwanger werde."

Laura hat in ihrem Job viel mit anderen Familien zu tun. Als sie selbst schwanger wurde, machte sie sich in der Anfangszeit viele Sorgen, dass etwas nicht stimme. Dann hatte sie in der 10. Woche einen verhaltenen Abort.

Ich habe nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet. Mein Zyklus war immer sehr regelmäßig. An Silvester 2017/18 sollte meine Periode kommen. Sie blieb jedoch aus. Ich machte am 3. Januar einen Test, der positiv war. Zu dem Zeitpunkt war ich der glücklichste Mensch überhaupt. Einen Tag später beim Frauenarzt war alles gut und ich sollte eine Woche später wiederkommen. Da konnte ich dann einen Herzschlag sehen. Danach sollte ich in vier Wochen wieder kommen, dann in der 10. SSW.

Wann und wie hast du von deiner Fehlgeburt erfahren?

Komischerweise hatte ich nach dem positiven Test direkt den Gedanken "Hoffentlich schaffen wir die ersten 12 Wochen". Ich ging auch in der 6. SSW panisch zum Arzt und bat um einen Ultraschall, da ich das Gefühl hatte, etwas stimmte nicht. Es sah aber immer alles gut aus. Meinen Freundinnen erzählte ich häufig, ich würde mir mehr Schwangerschaftsanzeichen wünschen. Diese sagten nur, ich solle mich doch freuen, dass ich "nur" müde sei. Auch begleitete mich die Angst vor einer Missed Abortion, nie vor Blutungen. Ich wollte zu dem Ultraschall in der 10. SSW auch nicht alleine gehen und bat meinen Freund, sich frei zu nehmen, um mich zu begleiten. Ich hatte also schon von Anfang an ein Gefühl dafür, welches sich dann 1 zu 1 bestätigte.

Was waren die medizinischen Schritte danach?

Als mein Frauenarzt in der 10. SSW keinen Herzschlag mehr sehen konnte, wurde ich direkt ins Krankenhaus überwiesen. Der Blick auf den Ultraschall war für mich wie eine Bestätigung all meiner Gefühle. Ich sah direkt, dass etwas nicht in Ordnung war.

Wie war die ärztliche Betreuung für dich?

Die ärztliche Betreuung war für mich in Ordnung. Ich stand so neben mir, dass ich es nicht richtig registriert habe. Ich weiß aber, dass man sehr nett und verständnisvoll war. Von meinem Frauenarzt hätte ich mir aber mehr Aufklärung gewünscht, ob es Alternativen zur Ausschabung gegeben hätte. Im Nachhinein hätte ich lieber eine natürliche Fehlgeburt gehabt oder Medikamente probiert, anstatt direkt eine Ausschabung zu machen. Leider wurde darauf nicht richtig eingegangen, obwohl ich den Wunsch geäußert hatte.

Wie erging es dir die Tage bzw. Wochen darauf?

Mir geht es nach sechs Wochen immer noch nicht gut. Es wäre unser erstes Kind gewesen. Mich quälen daher Fragen, ob es überhaupt klappt und wann ich wieder schwanger werde. Und ob dann alles gut geht. Auch arbeite ich beruflich eng mit Familien zusammen, kann also von dem Thema nicht wirklich Abstand gewinnen. Zudem befand ich mich schon im Beschäftigungsverbot, der Wiedereinstieg war ebenfalls hart für mich. Obwohl alle sehr liebevoll waren.

Wie hast du das verarbeitet? Wie habt ihr das als Paar verarbeitet?

Mein Mann und meine Freunde waren sehr für mich da. Auch meine Familie, jedoch war diese selber sehr betroffen von dem Verlust, was mich eher weiter traurig gemacht hat. Verarbeitet habe ich es, indem ich unser Kind symbolisch auf die Reise geschickt habe. Ich habe unserem Kind einen Namen gegeben und ein Schiffchen auf einem Fluß für das Baby fahren lassen. In unserem Garten hängt darüber hinaus ein Traumfänger, den ich schon gekauft hatte, um ihn in das baldige Kinderzimmer zu hängen.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert und welche Reaktionen von anderen hättest du dir gewünscht?

Alle Reaktionen waren sehr mitfühlend und aufbauend. Ich glaube, da es noch so ein Tabuthema ist, wissen die Leute nicht so recht, was sie sagen sollen. Auch habe ich von Freundinnen die Rückmeldung bekommen, dass die ohne Kinder natürlich mehr darüber nachdenken, was ihnen passieren könnte. Ich möchte einfach, dass es ein Thema wird, welches häufiger angesprochen wird. Dann fühlt man sich nicht allein.

Was hat dir geholfen bzw. hilft dir, die Hoffnung auf eine gesunde Schwangerschaft nicht aufzugeben?

Mir helfen die Erlebnisse von anderen. Wenn man selber darüber spricht, erzählen auch andere betroffene Frauen ihre Geschichte. Und auch solche Homepages wie diese oder Blogs von jetzigen Müttern haben mir geholfen, es als etwas natürliches anzuerkennen. Ich glaube aber, dass nur eine weitere und gesunde Schwangerschaft mich wirklich beruhigen kann.

Warum sind Fehlgeburten deiner Meinung nach noch so ein großes Tabu?

Ich glaube, man möchte andere Frauen nicht verunsichern. Vor allem die, die noch kein Kind haben. Man möchte niemanden ängstigen und unnötig belasten. Auch passt eine Fehlgeburt nicht in unsere heutige Zeit, wo alles planbar und kontrollierbar ist. Die Medien suggerieren momentan ja auch stark, dass die Mutterschaft eine sorgenfreie und unkomplizierte Zeit ist. Dass dies nicht im entferntesten stimmt, bekommt jedoch niemand mit.

Ein Satz von dir an eine Frau, die das Ganze akut durchmacht:

Ich glaube, es ist wichtig, dass Baby zu verabschieden. Durch ein Ritual oder einen Brief z.B. und weinen, weinen, weinen. Mir ging es nach meinem Trauerritual wirklich besser.

Laura, 31 Jahre, Sozialarbeiterin und hoffentlich bald Mama.