Andrea, 35, Pädagogin

Wie oft fängt man von vorne an?

Andrea hat ein wenig gebraucht, um ihre Geschichte zu schreiben. Nach drei Fehlgeburten in der 7. Woche hat sie aber einige wichtige Erkenntnisse gewonnen, die sie hier teilt.

Ich hatte drei Fehlgeburten jeweils in der 7. Woche.

Die erste hat mich unerwartet getroffen, völlig umgehauen. Nachdem keine Herztöne mehr festzustellen waren, wollte ich mich im Krankenhaus nur vorstellen, aber mir wurde angeboten, das Ganze „direkt zu erledigen“. Völlig überrumpelt und überfordert erreichte ich meinen Mann nicht und war mit den Entscheidungen alleine. Ich hatte mich vorher nicht mit den Möglichkeiten beschäftigt und bin so von einer normalen, unumgänglichen Vorgehensweise ausgegangen, meine Gynäkologin hat mich nicht beraten. Ich musste angeben, wie „die Fruchthülle“ bestattet werden soll. Das wehenauslösende Zäpfchen schlug schnell an, allerdings verzögerte ein Notfall meine OP. So lang ich alleine, todtraurig, mit starken Schmerzen, die ich nicht als Wehen zuordnen konnte, und blutend in einem Krankenhauszimmer. Den Rest bekam ich nicht mehr wirklich mit. Mein Mann war Gott sei Dank da, als ich aufwachte. In den nächsten Monaten konnte ich die Fehlgeburt gut akzeptieren, die Erfahrungen im Krankenhaus waren schlimmer. Ich war fest davon überzeugt, dass die Chancen bei der nächsten Schwangerschaft besser sind.

Nach fast zwei Jahren gab es eine erneute Schwangerschaft mit Hilfe von Insemination. Ich war deutlich unsicherer, die Untersuchungen zerrten an meinem Nervenkostüm. Nach Tagen der Hoffnung war dann kein Herzschlag mehr zu sehen. Ich wartete auf eine natürliche Fehlgeburt, nach drei Wochen verließ mich der Mut und ich ließ eine Ausschabung vornehmen, diesmal bewusster und ohne Notfall.

Der Zahlenmensch in mir sagte danach: gesund, 2 Fehlgeburten, die Chance auf eine weitere ist sehr gering. Neue Behandlung. Ergebnis: chemische Schwangerschaft, große Enttäuschung, mäßige Trauer.

Das Kinderwunschzentrum hatte als Antwort nur eine: Neue Runde, neues Glück. Also wieder Hormone (die ich sehr gut vertrug), Insemination - tadaa: schwanger. Wenigstens das funktionierte wie am Schnürchen. Und nach ein paar Wochen - tadaa: kein Herzschlag. Darauf ist Verlass. Es war wieder die 7. Woche. Ich wollte, dass mein Körper das endlich einmal selbst zu Ende bringt und habe diesmal insgesamt fünf Wochen auf die natürliche Fehlgeburt gewartet, nach drei Wochen half mir ein TCM-Heilpraktiker. Es waren fünf heftige Stunden mitten der Nacht und recht lange Nachblutungen und unruhige Zyklen, aber ich bin froh, dass es so gekommen ist. Es war für meinen Körper anders, vollständiger.

Die Wochen im Anschluss waren voll von großer Trauer, denn mir war klar, wenn sich bei mir nichts ändert, ändert sich auch nichts daran, dass ich nicht weiter als bis zur 7. SSW komme. Die Kinderwunschzentrum-Zeit war vorbei.

Was bleibt?

Die Feststellung, wie sehr die Maschinerie automatisiert läuft und auf bewährte Methoden gesetzt wird und wie sehr man gleichzeitig bei dem Thema im Nebel herumstochert.

Die Machtlosigkeit. Das erste Mal in meinem Leben kann ich nicht durch Engagement und Anstrengung etwas ändern.

Das Mitgefühl von Freunden und Familie: Außerhalb meiner Arbeit gehe ich sehr offen mit dem Thema um und habe nur gute Erfahrungen gemacht. Nicht jeder kann gut damit umgehen, aber ich erfahre sehr viel Mitgefühl.

Eine tiefe Traurigkeit, die mich als eigentlich sehr fröhlichen Menschen doch sehr trifft und mich verändert hat. Einerseits durch den Verlust, den ich erlitten habe und andererseits den Verlust, der mich in meinem weiteren Leben durch die voraussichtliche Kinderlosigkeit erwartet. Ich bin abgeklärter geworden.

Ein Leben auf der gefühlten Pause-Taste: Wird doch noch alles gut? Klappt eine Adoption? Arrangieren wir uns mit der Situation? Was macht das langfristig mit mir, was macht das mit uns als Paar?

Was ich mitgeben möchte:
Es tut gut, über die Gefühle und Erfahrungen zu reden. Gleichzeitig bleibt ein Verlust, der nicht wegzudiskutieren ist und einen immer begleitet. Außerdem finde ich es wichtig, im gesundheitlich tolerierbaren Rahmen auf den eigenen Körper und das eigene Gefühl hören.