Anke, 33, Verwaltungsfachwirtin

Also alles wieder auf Anfang.

Als Anke am Ende des ersten Trimesters zum Arzt ging, erhielt sie die Diagnose Missed Abort. Mittlerweile weiß sie, dass es vielen Frauen so geht.

Vor wenigen Wochen bekam ich bei der Vorsorgeuntersuchung in der 11. Schwangerschaftswoche die Diagnose "Missed Abort" gestellt. In der 9. SSW hatte das Herz aufgehört, zu schlagen. Ich hatte eine Fehlgeburt und habe es nicht einmal gemerkt.

Über die Ausschabung

Eine Woche nach der Diagnose folgte eine Ausschabung. Danach hatte ich drei weitere Frauenarzt-Termine, die mich immer mehr verunsicherten, da jedes Mal noch vermeintliche Reste im Ultraschall gesehen wurden. Dann erfolgte nochmal eine Überweisung in die Klinik und nach zweimaliger Vorstellung die erleichternde Diagnose des dortigen Chefarztes: "Keine Reste der Fehlgeburt, keine erneute Ausschabung, gutes Zyklusgeschehen im Ultraschall zu erkennen, alles so wie es sein soll." Vor einer erneuten Ausschabung hatte ich am meisten Angst. Ich kann es nicht verstehen, dass in Deutschland die Alternativen zur Ausschabung so ignoriert werden. Höchste Zeit, dass in der deutschen Medizin diesbezüglich ein Umdenken stattfindet und mehr Aufklärung über die Alternative des Abwartens bzw. von medikamentöser Unterstützung erfolgt.

Also alles wieder auf Anfang.

Ich würde heute sagen, dass ich dieses schreckliche Erlebnis gut überstanden habe. Natürlich, es gibt (noch) keinen Tag, an dem ich nicht an die Fehlgeburt denke, aber es zermürbt mich nicht mehr so sehr. Tränen fließen nur noch wenige.
Heute beschäftigt mich wieder die Zukunft. Werde ich jemals wieder schwanger? Werde ich ein Kind zu Welt bringen? Oder nochmal eine Fehlgeburt haben? Wie angespannt wäre ich bei der nächsten Schwangerschaft? Könnte ich mich überhaupt freuen und wenn ja, ab welchem Zeitpunkt? So viele Fragen und Gedanken. Keiner wird mir dabei helfen können, Antworten zu finden oder mich beruhigen können. Ich kann dem Leben nur seinen Lauf lassen und mir sagen „Alles wird gut“.

Ich muss zugeben, dass es mich sehr beschäftigt, von anderen Schwangerschaften zu erfahren. Nicht weil ich es diesen Frauen nicht persönlich gönnen würde. Das tue ich und ich wünsche ihnen das allerbeste. Es macht mir nur wieder so schmerzhaft bewusst, dass ich eine Fehlgeburt hatte.

Ich wurde direkt im 2. Zyklus nach Absetzen der Pille schwanger. Und nun fühle ich mich unter Druck. Das Schwanger werden bestimmt meine Gedanken und ich habe Angst, dass es mich blockiert. Manchmal auch Angst, dass es unsere Beziehung beeinflusst. Mein Freund ist sehr verständnisvoll und wir haben zunächst mal gestärkt das Erlebnis überstanden. Aber er macht sich nicht mehr so viele Gedanken wie ich. Sieht das Ganze – vielleicht typisch Mann – gelassener. Er blickt aber auch so positiv in unsere Zukunft, was mich auch immer wieder aufmuntert und einfach wahnsinnig gut tut.

Ist das Thema Fehlgeburt nun ein Tabu-Thema?

Ich selbst habe nur mit denjenigen darüber gesprochen, die von der Schwangerschaft wussten. Und noch mit einer Freundin, da sich ein Gespräch unbeabsichtigt dahingehend entwickelt hat und sie mir von ihrer Fehlgeburt erzählt hat. Fehlgeburten gehören zum Leben wie der Tod über den auch zu wenig gesprochen wird. Dabei wäre es für (die meisten Menschen) sehr wichtig, sich mitzuteilen und auszutauschen. Ich sehe es eher so, dass dies Themen sind, über die man nur mit sehr vertrauten Personen spricht, weil es einfach etwas sehr Persönliches ist. Man ist so verletzlich und reagiert ausgesprochen sensibel. Für mich wäre es nicht einfacher gewesen, wenn ich von anderen über ihre Fehlgeburten erfahren hätte. Ich wusste um das Risiko, denn meine Schwester hatte mehrere Fehlgeburten und ich weiß von mehreren anderen Frauen, dass diese auch eine hatten. Trotzdem hat es mich eiskalt erwischt und voll aus der Bahn geworfen.

Was ich mir gewünscht hätte:

Mehr Verständnis und Aufklärung meiner Frauenärztin. Ich hadere noch, ob ich die Ärztin wechseln werde. Ich hätte mir beim ersten Termin nach der Ausschabung Zeit für ein Gespräch gewünscht. Mehr Aufklärung darüber wie "normal“ Fehlgeburten sind, welche Gründe es haben könnte etc. Ich war Alltag für meine Ärztin, aber für mich war es ein tiefgreifendes Erlebnis, das letztlich das Vertrauen zu ihr angegriffen hat, auch wenn sie es nicht beabsichtigt hat und sich darüber vermutlich gar nicht im klaren war. Viele Informationen habe ich letztlich im Internet gefunden und bin sehr froh darüber.

Mein Herz schlägt (außer für Familie und Freunde ) für gutes Essen, sehr gern auch selbst gekocht. Und für die Berge. Ich geh sehr gern wandern und finde dort Entspannung und Abstand zum Alltagsstress; am besten bei einer mehrtägigen Tour von Hütte zu Hütte. Blumensträuße kauf ich mit oft selbst und beschenke mich, statt auf Geschenke zu warten, über die ich mich natürlich auch freue. Ich glaube fest daran, dass gute Gedanken die Basis des eigenen Glücks sind. Auch wenn das positive Denken nicht immer leicht fällt!